Zwerg-Orpington – eine Rasseportrait

Quadratisch, genügsam, zutraulich: Zwerg-Orpingtons gehören vor allem in der nördlichen Hälfte Deutschland, in Holland und Dänemark – also in den kühleren Regionen – zu den beliebtesten Rassen bei privaten Hühnerhaltern. Die Zweinutzungshühner vereinen verschiedene Eigenschaften, die als vorteilhaft gelten. Darüber hinaus erfreuen sie mit ihrem Anblick und einem ausgeglichenen Charakter.

Steckbrief

Erste Züchtung: um 1907 in Leipzig
Gewicht: 1,3 kg (Henne) bis 1,5 kg (Hahn)
Legereife: ab etwa 9 Monaten
Bruteimindestgewicht: 40 g
Legeleistung: ca. 110 Eier (abhängig von Haltung und Fütterung)

Geschichte der Zwerg-Orpingtons

Zwerg-Orpingtons, liebevoll auch als Zworpis bezeichnet, wurden ursprünglich in Deutschland gezüchtet und 1912 zum ersten Mal ausgestellt. Sie gehen allerdings auf die ältere Urform des Orpingtons zurück, die aus England stammt. Die großen Verwandten leben in ihrer kühlen Heimat gerne im Freien – die ausgesprochene Robustheit macht sich bei den Zwergen ebenso bemerkbar. Sie geht auf ein dichtes Gefieder zurück, das warmhält und optisch viel hermacht. Durch den üppigen Flaum wirken die Tiere wie flauschige kleine Würfel.

Würfel auf zwei Beinen

Der Spitzname „Würfel“ kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich sollen die Zwerg-Orpingtons idealerweise ungefähr so hoch wie lang und breit sein. Im Vergleich zu anderen Hühnerrassen sind sie damit untypisch breit. Auffällig ist außerdem der tiefgestellte Körper. Bei manchen Hennen schauen die Füße nur gerade so unter dem Bauch hervor. Das Gefieder sollte jedoch nicht bis zum Boden reichen, denn Bodenfreiheit gehört nicht ohne Grund zum Rassestandard: Sie macht die Tiere „geländetauglich“ und zumindest in Maßen unempfindlich gegen Matsch bei Schmuddelwetter.

Wer ein Zwerg-Orpington hochnimmt, stellt fest, dass ein Teil des Körperbaus eher Schau ist. Für die Breite sind überwiegend die flauschigen Federn verantwortlich. Der reine Körper unterscheidet sind nicht übermäßig von anderen Rassen. Dennoch gelten sie als gutes Zweinutzungshuhn – will meinen, sowohl die Eierproduktion wie auch der Fleischanteil am gesamten Tier sind recht annehmbar.

Ruhige Hühner mit lebendigem Charakter

Ist das Zwerg-Orpington nun ruhig und behäbig oder eher quirlig und lebendig? Irgendwie beides. Zunächst einmal ist der Charakter sehr ausgeglichen. Orpis, ganz gleich on groß oder klein, sind ausgesprochen friedfertig und zutraulich, was sie bei Anfängern in der Hühnerhaltung sehr beliebt macht. Zudem zeigen sie wenig Interesse am Fliegen. Obwohl sie im Vergleich zu den großen Orpis durch das geringe Gewicht viel einfacher abheben könnten, bleiben die Zwerge lieber am Boden. Ein Zaun von etwa 80 cm reicht daher in der Regel aus, um den Auslauf zu begrenzen.

Auf der anderen Seite sind Zwerg-Orpingtons, wenn sie im Garten unterwegs sein dürfen, fast den ganzen Tag in Bewegung. Sie sind sehr aktive Futtersucher und können sich, viel Platz und Naturnahrung vorausgesetzt, fast komplett selbst versorgen.

Legeleistung und Brut

Im Schnitt legen die Zworpi-Hennen etwa jeden dritten Tag ein Ei. Folglich dürfen Halter – sofern sie die Hennen nicht brüten lassen – in den ersten zwei Jahren jeweils etwa 110 Eier erwarten. Im Vergleich zu Hybriden ist das zwar weniger, für eine alte Rasse aber ein ordentlicher Wert. Zudem gelten die Eier der Zwerghühner als besonders hochwertig, da sie ein gutes Eigelb-zu-Weiweiß-Verhältnis haben. Das Zwerg-Orpington macht hier keine Ausnahme. Die cremefarbenen bis hellbraunen Eier sind um die 50 Gramm schwer – der Rassestandard gibt als Mindestgewicht 40 Gramm an, die Entwicklung geht aber zu größeren Eiern.

Wer sich die puscheligen Hennen anschaut, wird vermuten, dass sie mit ihrem dichten Flaum sehr gute Glucken abgeben. Genau das ist der Fall. Zwerg-Orpingtons haben einen starken Bruttrieb und brüten zuverlässig, verlassen das Gelege also nicht nach der halben Zeit. Bisweilen kann das freudige Brüten zum Leidwesen der Halter werden, wenn gleich mehrere Glucken ihre Eier (und die ihrer Kolleginnen) unter sich sammeln.
Wer nicht brüten lassen möchte, kann die brütigen Hennen allerdings mit dem nötigen Know-How recht schnell entglucken und damit in den „Normalmodus“ zurückbringen.

Ein Wort zu den Hähnen

Wer Hühner brüten lässt, erhält statistisch gesehen die gleiche Anzahl an männlichen und weiblichen Küken. „Ausreißer“ kann es in beide Richtungen geben: größtenteils Hennen oder größtenteils Hähne.
Bei den kleinen Würfeln lässt sich relativ schnell und leicht erkennen, welches Tier weiblich und welches männlich ist.  Bei unseren Tieren ist dies ab der 1. Woche der Fall: Bei den Hähnchen ist dann bereits der Kamm erkennbar. Ab der 5. Woche bilden sich – wie bei den beiden Hähnchen rechts im folgenden Bild zu sehen – bereits deutlich die Kehllappen. Kamm und Kehllappen färben sich ab der sechsten Woche schon unübersehbar rot.

Auch wenn die Hähne ein angenehmes Organ haben – eine schöne klare Stimme – und nicht zu den Vielkrähern gehören, sollten sich Hobbyzüchter zeitig – am besten noch vor der Brut – Gedanken darüber machen, was später mit den überzähligen Hähnchen geschehen soll. Spätestens mit der Geschlechtsreife, also nach circa 9 Monaten, sollte man sich für einen einzelnen Hahn entscheiden, der (sofern es die Wohn- und Haltungsverhältnisse zulassen) bleiben darf.

Groß oder klein? Orpis können beides sein

Zwerg-Orpingtons sind besonders für kleine Gärten (und vor allem für kleine Ställe) geeignet. Daneben gibt es auch die großen Orpingtons, die schwerer werden: Etwa 4-5 Kilogramm bringen diese Brummer auf die Waage. Diese „Würfel“ sind nicht nur schwerer, sondern natürlich auch deutlich größer  als die Zwerge. Sie benötigen entsprechend mehr Futter, mehr Platz im Stall und sind langsamer in der Entwicklung. Die Eier sind dagegen nur etwas größer (ca. 50-60 g), dafür legen – so wird gesagt – die großen Orpi-Damen in der Regel etwas fleißiger als die kleinen, nämlich bis zu 180 Eier im Jahr.

Nicht zu verwechseln mit … den Zwerg-Cochins

Klein, flauschig und zutraulich: Das Zwerg-Cochin erinnert von seinem Aussehen und seinem Wesen sehr an die Zwerg-Orpingtons. Auffällig ist, dass beide ein dichtes Federkleid haben. Im Gegensatz zum Zworpi ist das Zwerg-Cochin jedoch eher kugelig und zeigt deutlich befiederte Läufe, was es weniger geländegängig macht. Zudem legen die Cochins etwas seltener.
Ansonsten ist die Ähnlichkeit kein Zufall: Zwerg-Cochins sind die Vorfahren der Zwerg-Orpingtons. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts vom Züchter Emil Kühn aus Leipzig mit Bantams (also mit „Urzwergen“) verpaart. Das war die Geburtsstunde der Zwerg-Orpingtons. An die Abstammung von den Zwerg-Cochins erinnert bei den Zwerg-Orpingtons nicht nur der Körperbau, sondern auch der leichte Flaum an den Beinen, der bei den Zworpi-Küken erkennbar ist, welcher sich bei diesen jedoch nicht zu einer Befiederung entwickelt.

Neben der Zucht auf die Zwergform ist die Geschichte der Zworpis durch eine bunte Farbvielfalt geprägt. Es gibt sie in diversen Farben und gelegentlich kommen sogar neue hinzu. Eine der ältesten Varietäten ist aber der blau-gesäumte Farbschlag.

 

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